Felder, Wiesen und Wälder, unterbrochene Hügel und steile Berge, Wohnungen ohne Bequemlichkeit: eine unnütze Welt ohne geringste Spuren von Feldern oder Städten, allenfalls eine Schafherde. Eine Welt, aus der die Menschheit verschwunden ist, eine Welt nach dem Untergang oder vor dem Beginn einer Zivilisation. Sehr klein, erst auf den zweiten Blick zu sehen, befinden sich doch auch Personen in dem Gemälde. Sie wirken winzig, verloren, wie mythologische Figuren ohne Aufgabe. Ähnlich muss sich der Dichter Ovid nach seiner Verbannung nach Tomis am Schwarzen Meer gefühlt haben, an den Rand des Römischen Reiches. Vergeblich wartete er auf seine Begnadigung; schließlich starb er fern der Hauptstadt. Umstände und Zeitpunkt seines Todes sind unbekannt. Oder verschmolz er in einer letzten großen Metamorphose einfach mit der kargen Natur, wie es Christoph Ransmayr beschreibt? Noch im 18. Jahrhundert soll Katharina II. das vergessene und unter Gestrüpp versteckte Grab des Ovid in Rumänien besucht haben.
„Ideale Landschaft” ist ein Panorama zum Hören. Der Eilige wundert sich, warum es doch so lange braucht, bis man den Hügel erreicht, der zum Greifen nah schien; der Müßiggänger bewundert die Schönheiten der Natur, bevor er vom Einbruch der Nacht überrascht wird. In der letzten Dämmerung fließt alles ineinander wie Farben auf der Leinwand: die abendsonnenbeschienenen Wolken, die im Dunkel versinkenden Wälder und die Erinnerungen an die Träume der letzten Nacht. Es wird Zeit, nach Hause zu kommen. |