Grenzfälle 1: Das unendliche Schwarz

Eine Inszenierung Alter und Neuer Musik

Premiere am 15. Januar 2004
Studiobühne des Meininger Theaters

Musikalische Leitung: Markus Baisch, Regie: Thomas Fiedler, Ausstattung: Christian Wiehle

Dramaturgie und Buch: Jan Dvorak

   

Für sein halbstündiges Musiktheaterstück „Infinito nero“ griff der 1947 geborene Komponist Salvatore Sciarrino auf Texte der katholischen Mystikerin Caterina von Pazzi, deren Ordensname Maria Magdalena war, zurück. Die Heilige lebte von 1566 bis 1607 in Florenz und empfing unter größten Leiden Visionen, die um die Mysterien des Abendmahls und der unbefleckten Empfängnis kreisen. „Das unendliche Schwarz“ ist eine musiktheatralische Studie über Schizophrenie, Glauben und Sexualität. Eine Frau, Caterina von Pazzi, lebt mit den Geistern ihrer Vergangenheit, ist befangen in einem Netz religiöser Wahnvorstellungen. In einem winzig kleinen Raum, einer modernen Einbauküche, hört sie Stimmen, halluziniert Gestalten, vielleicht längst verschollene Familienangehörige. Caterinas Visionen verkörpern das Unausprechliche ihrer Geschichte, das zur Sprache kommen will, und bewegen sich so an einem undefinierbaren Punkt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die Musik ihrer Visionen sind die „Kleinen geistlichen Konzerten“ des Thüringers Heinrich Schütz. Dieser lebte von 1585 bis 1672 und war somit Zeitgenosse Caterina von Pazzis. Mit seinen Kompositionen, die mitten im Dreißigjährigen Krieg erschienen, versuchte der Frühbarockmeister, den zerstörten Gemeinden aufführbare Musik höchsten Ranges zur Verfügung zu stellen. Obwohl grundsolider Protestant, findet sich in seiner Textauswahl die Vorliebe für ganz ähnliche Bilder wie bei der kataleptischen katholischen Nonne, ein Zeichen der barocken Begeisterung für ausgefallene, symbolische Sinnbilder.

   
   

Presse

„Regisseur Thomas Fiedler und Dramaturg Jan Dvorak haben Salvatore Sciarrinos ‚Infinito nero‘ und Heinrich Schütz‘ ‚Kleine geistliche Konzerte‘ auf eine Art miteinander verknüpft, die im Handlungskontext zunehmend unaufhebbar wird. ...  Wo bleibt das ‚Unendliche Schwarze‘? Es ist omnipräsent in diesem Nachtstück, man kann es hören und fühlen, aber nicht sehen.“ SÜDDEUTSCHE ZEITUNG