Die Spielzeitpause ist vorbei. Zwei Sänger proben mit ihrem Klavierbegleiter Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Der Islamist Bassa Selim, der unerwartet die Probebühne stürmt, kann sich mit den alteuropäischen Gesängen nicht anfreunden und nimmt die Männer in Geiselhaft. Mit vorgehaltener Waffe entsteht ein Singspiel ganz anderer Art: Plötzlich geht es wirklich um Mädchen, Liebe, Freiheit und den ganzen Rest, der im Konflikt zwischen Abend- und Morgenland verhandelt wird. Und es dauert nicht lange, bis die USA eingreifen.
Mozarts Werk von 1782 sollte den Wunsch des österreichischen Kaisers Joseph II. nach einem „deutschen Nationalsingspiel" erfüllen. Tatsächlich wurde es ein gewaltiger Erfolg; die Übermacht der italienischen Oper am Hof wurde zurückgedrängt. Mozart verarbeitet auf satirische Art die österreichische Begegnung mit den türkischen Heerscharen, die noch ein Jahrhundert früher vor Wien lagen. Die Sprechrolle des Bassa Selim, in dessen Harem Belmontes Freundin Konstanze gefangengehalten wird, versinnbildlicht den schlechthin unbegreiflichen Fremden: Zunächst islamischer Frauenunterdrücker, stellt er sich bald als verschmähter Liebender heraus und wandelt sich schließlich in einen kühlen Menschenfreund. Aus den Metamorphosen dieser Figur entstand die Idee für den Kulturabend „Die Rache des Bassa Selim“. Hier ist nichts eindeutig. Die Grenzen zwischen Terroristenchef und Friedensnobelpreisträger werden durchlässig; jeder kann ein Guter oder ein Böser sein. Es ist ein Krieg der Klischees, die sich ineinander verbissen haben. „Die Rache des Bassa Selim“ ist ein Abend für zwei Schauspieler, zwei Sänger und einen Klavierbegleiter.
Presse
„Dvorak gelang gemeinsam mit Buchautorin Sigrid Behrens unter Verwendung von vier Figuren und elf Kompositionen aus der Mozart-Oper ... ein ebenso skurriles wie witziges Verwirrspiel über die gängigen Klischees." FREIES WORT |