Als Heinrich Schliemann 1871 die Überreste der Stadt Troja in Kleinasien suchte und fand, hatte er als Führer nichts als die Dichtungen Homers, die immerhin schon über zweieinhalb Jahrtausende alt waren: die Illias und die Odyssee. Auch im Theater muss man sich immer wieder von der Kunst führen lassen und auch hier ist nicht immer klar, wohin die Reise geht. Und ob man am Ende einen Goldschatz oder doch nur Gerümpel findet. Manchmal führt die Odyssee jedoch auch ins Weltall, in die fernste Zukunft, wo mysteriöse Objekte und unbegreifliche Klänge unsere Auffassungskraft an ihre natürlichen Grenzen führen.
Mit der spielzeiteröffnenden Premiere „2003 – Odyssee im Theater“ wird Schliemann gemeinsam mit Jules Verne und der Frau des Theaterherzogs Georg II. das Meininger Theater nach seinen verborgenen Schätzen durchsuchen: die Stadt im Theater ausgraben und zugleich die Stadt ins Theater holen. Die geheimsten Räume durchlüften. Die Büros den neugierigsten Blicken preisgeben. Die Zuschauer durch die letzten Abseiten und Keller schicken, um Sie nach der Kunst suchen zu lassen, die sonst immer so leicht zu haben ist. Das arbeitsreiche, alltägliche Leben mit der Kunst, die ständige Selbsterneuerung durch die schöpferische Phantasie steht als utopischer Entwurf hinter all den Sirenen, Zyklopen und anderen Chören dieses Abends. Schauspiel, Musik, Gesang, Tanz, Lebende Bilder – alles, was das Haus zu bieten hat, ist an der Expedition beteiligt. Überall ist Bühne. Nur das Große Haus selbst bleibt leer, ein heiliger Ort in einem unwirklichen Farbenspiel, ein Ideal, eine Andachtsstätte, ein Geheimnis.
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