Wagner nannte seine Oper eine „Handlung in drei Akten“. Tatsächlich gibt es wenige Opern, die so wenig Handlungen in einem konkreten Sinne aufzuweisen hätten wie „Tristan und Isolde“. Atmosphären des quälenden Wartens wechseln mit plötzlichen Ausbrüchen von brutaler, hektischer Aktivität. Tristan, „der Held“, benimmt sich durchaus nicht, wie man es von einem Helden erwartet. Er verrät und betrügt seinen König; seine Heldentaten liegen in der Vergangenheit, statt dessen lebt er nur noch von Liebesnacht zu Liebesnacht. Er ist über weite Strecken der Handlung pflegebedürftig oder unfähig, zu handeln. Im Laufe der Oper unternimmt er mindestens vier Versuche, sein Leben zu beenden, wovon der letzte dann auch zum langersehnten Ziel führt. Selbst mit diesem Schritt verrät er noch Isolde, die gerne mit ihm gegangen wäre. Tristan ist als Held in fortschreitender Auflösung begriffen. Er hat den Halt verloren und reißt nun alle mit sich in den Abgrund seines wachsenden Realitätsverlustes. Hier setzt die Regiekonzeption der Tristan-Inszenierung Alexander von Pfeils an. Sie versetzt das Geschehen in einen surrealen Gefühlsraum, der Symbole von Selbsterhöhung und Selbstvernichtung beinhaltet: zwei Sportwagen in einer Unfallsituation, Scheinwerfer, Schminke, künstliche Natur. Ein Fotostudio für das übersteigerte Selbstgefühl eines Künstler-Helden, der an seinem Schlussbild feilt, der den eigenen Tod mit Perfektionismus und Wehleidigkeit in Szene setzt. – „Selbst der Masochismus verkündet die Auszeichnung des Gequälten.“ (P. Sloterdijk)
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