Les dialogues des Carmélites

Oper in drei Aufzügen von Francis Poulenc

Premiere am 25. April 2009, Staatstheater Kassel
Musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Regie: Reinhild Hoffmann,
Bühne/Kostüme: Sabine Böing

Dramaturgie: Jan Dvorak

 
   

Frankreich, Sommer 1794. Sechzehn Nonnen aus dem strengen Karmeliterorden werden zum Schafott geführt. Während der Hinrichtung singen sie gemeinsam das „Salve Regina“. Ihr Vergehen: Verschwörung gegen die Staatsgewalt. – Es ist eine blutrünstige Begebenheit aus der Schreckenszeit der Französischen Revolution, die Gertrud von le Fort zur Vorlage ihrer Novelle „Die Letzte am Schafott“ wählte. Doch im Mittelpunkt steht bei le Fort eine frei erfundene Figur. Blanche ist eine junge Adlige, die von tiefer Lebensangst erfüllt ist. Aus Angst tritt sie ins Kloster ein, aus Angst entflieht sie ihm wieder. Erst bei der Hinrichtung ihrer Schwestern findet sie die Kraft, um ihre Angst zu überwinden: Als die letzte Nonne geköpft wird, singt sie stellvertretend den Choral zu Ende – ein tragischer Triumph, den sie mit dem Leben bezahlt.

Francis Poulenc gilt als der Spaßmacher unter den französischen Neoklassizisten. Geboren als Spross einer schwerreichen Industriellenfamilie, lebte er zunächst ein Bohèmeleben zwischen Elfenbeinturm und Varieté. Doch der ehemalige Playboy kämpfte zunehmend mit Krisen, ausgelöst durch Unglücksfälle und seine spät eingestandene Homosexualität. Zugleich zeigten ihm Krieg und Nationalsozialismus, wie fragil das ethische Fundament unserer Kultur ist, wie dicht wir uns jederzeit am Abgrund befinden. So griff Poulenc mit den „Dialogues“ ein Thema auf, das für ihn persönlich wichtig und zugleich das große Zeitthema der fünfziger Jahre war: das Thema Angst.

Die Musik seiner Oper verweigert sich allen Modernismen und setzt ganz auf die packende Darstellung der inneren Vorgänge ihrer Protagonisten. Dass die Mischung aus romantischen Kantilenen, Jazzharmonik, Glockenklängen und katholischer Liturgie alle Kritik überlebt hat, verdankt sie dem ungemein sicheren dramatischen Gespür ihres Komponisten. Seine Darstellung des leidenden und sich schließlich überwindenden Menschen ist im besten Sinne des Wortes allgemeinverständlich geworden.