Von 1894 bis 1903 arbeitete der slowakische Komponist Leos Janacek an der Oper „Jenufa“, deren Libretto Gabriela Preissová aus genauer Kenntnis Ostmährens gestaltet hatte. Es sind grundlegende Fragen, die in „Jenufa“ gestellt werden. Wie verhält sich der Mensch in autoritären Wertsystemen? Wo handelt er frei und wo bloß als Reflex des sozialen Druckes? Gibt es so etwas wie Befreiung? Für den Meininger Chefregisseur Sebastian Baumgarten Fragen von höchster Aktualität, besonders für den ehemaligen Ostblock. So lokalisiert er seine „Jenufa“ in einer heutigen, postkommunistischen Gesellschaft, die sich mit den Gespenstern der Vergangenheit plagt. Diese Gespenster versteht er politisch und zugleich tiefenpsychologisch. Denn für den gebürtigen Ostberliner verbirgt sich hinter unserer vermeintlich eindeutigen Realität eine traumatische, gespenstische Parallelgeschichte, die in den Köpfen weiterspukt. Puppen, Masken, Rituale sind seine Mittel, diese Gespenster leibhaftig auf die Bühne zu stellen.
Das Bühnenbild von Robert Lippok und Valerie von Stillfried ist deshalb auch nicht realistisch im herkömmlichen Sinn, sondern kombiniert nur die Teile der Realität, die für die Figuren des Stückes entscheidend sind: Teile von Außenwelt und Wohnung, politische und religiöse Symbole, Andeutungen eines militärischen Umfelds. So zeigt sich der Ansatz der Meininger Jenufa-Inszenierung gerade darin, von einer Vieldeutigkeit der Oper auszugehen und von dieser mit aller Kraft zur Realität zurückzustreben. |