Hoffmanns Erzählungen

Phantastische Oper von Jacques Offenbach

Premiere am 15. Oktober 2004
Großes Haus des Meininger Theaters

Musikalische Leitung: GMD Alan Buribayev, Regie: Matthias Schönfeldt, Bühne: Birgit Angele, Kostüme: Barbara Aigner

Dramaturgie: Jan Dvorak

   
   

Über E.T.A. Hoffmanns legendenumwobenes Leben ist vieles geschrieben worden. Jacques Offenbachs unvollendetes Meisterwerk „Hoffmanns Erzählungen“ benutzt die stilisierte Schriftstellerpersönlichkeit und ihr Verhältnis zu den Frauen als Sinnbild für eine sehr moderne Erscheinung – für den Narzissmus, die übertriebene Selbstliebe. Offenbachs Libretto trifft hier einen Punkt. Denn wie arm die Existenz wird, wenn einem aus Allem immer nur das eigene Ich entgegenschaut, ist tatsächlich Thema vieler Novellen E.T.A. Hoffmanns. Die Meininger Inszenierung wird sich mit Hilfe von Doppelgängern, Spiegelungen und Videoprojektionen den daraus entstehenden Fragen widmen. Woran kann ich mein wahres „Ich“ erkennen, wenn nicht anhand der Reflektionen, die es in der Umwelt hinterlässt? Und andererseits: Ist diese Umwelt etwas anderes als eine Reflektion eben dieses Ichs? Unversehens rückt durch diese Überlegungen die Episode aus dem Giulietta-Akt in den Mittelpunkt der Oper, in der Hoffmann sein eigenes Spiegelbild gegen eine Liebesnacht verkauft. Was bedeutet es, sich so zu verlieren? Gewinn oder Verlust? Die verwendeten Projektionstechniken werden zur Übersetzung psychischer Vorgänge.

In der Meininger Fassung von Matthias Schönfeldt und Jan Dvorak erscheinen die vielen auftretenden Figuren des Stückes zudem als Facetten einiger weniger Hauptpersonen. Die Frage nach der eigenen Identität und wie geschlossen sie ist, rückt so in den Fokus der Betrachtung. Magie und Einsamkeit, phantastische Welten und Alltag sind die Kräftepole, zwischen denen die Meininger Inszenierung kunstvoll und anschaulich pendelt.