Der Freischütz

Oper in drei Abteilungen von Carl Maria von Weber

Premiere am 9. September 2005
Großes Haus des Meininger Theaters

Musikalische Leitung: GMD Alan Buribayev, Regie: Philipp Stölzl, Bühne: Christian Rinke / Philipp Stölzl, Kostüme: Christian Wiehle

Dramaturgie: Jan Dvorak

   
   

Der Freischütz – Denken in Bildern

Die Romantik ist ein Zeitalter der Grenzüberschreitungen gewesen. Die in der Theorie streng getrennten Künste begannen zu verschmelzen; auch Carl Maria von Weber war zugleich Komponist, Interpret, Dirigent und Schriftsteller. Sein Textdichter Friedrich Kind, wiewohl noch in der Tradition des 18. Jahrhunderts stehend, schuf einem solchen Musiker das ideale Libretto. Denn die naiven inhaltlichen Gegenüberstellungen, die er vornahm, um den moralischen Zug des Schauermärchen zu verstärken – gut und böse, Tag und Nacht, weiblich und männlich, Vorgesetzte und Untergebene –, finden ihren Widerhall in Webers scharf charakterisierender, fast filmmusikartiger Komposition. Umgekehrt bedient sich der klassische Horrorfilm vom Stummfilm bis in die Fünfziger Jahre vielfach genau der Muster, die im „Freischütz“ vorgeprägt sind. Man könnte behaupten, dass das klassische Hollywood – beflügelt von exilierten deutschen Filmkünstlern – die romantische Idee des Gesamtkunstwerkes unter den Bedingungen der US-Unterhaltungsindustrie fortführte: mit Gebärden, Einstellungen und Kulissen, die immer noch stark an die romantische Bühne erinnern. Die Meininger Inszenierung von Philipp Stölzl bezieht sich auf diese Ära. Sie nimmt einen Standpunkt ein, von dem aus die bald zweihundert Jahre alte Oper als Blaupause einer bis heute lebendigen, volkstümlichen Kultur des Gruselns wahrgenommen werden kann. Stölzl gilt als einer der wichtigsten deutschen Videoclip-Regisseure; er arbeitete unter anderem für Madonna, Pavarotti, Mick Jagger, Rammstein und andere. Sein „Freischütz“ ist eine Hommage an das klassische B-Movie aus der Zeit der Schwarzweißfilme. Immer eng an Text und Musik, zeigt Stölzl effektsicher, was man aus vermeintlich angestaubten Repertoire-Klassikern herausholen kann, wenn man einen unbefangenen Blick auf sie wagt.