Kante / Jan Dvorak

Konzert für Band und Orchester (2009, UA)

Auftragswerk der Hamburger Camerata
Nach „Best Of Both Worlds” und „Im Ersten Licht” von Kante
Texte von Count Ossie und Peter Thiessen

 
 

Seitdem die Beatles in den Sechzigern unter dem Einfluss ihres Produzenten George Martin begannen, Stilmittel und Instrumente klassischer Musik in ihre Songs zu integrieren, stand die Frage nach einer Verschmelzung der völlig getrennten Hörwelten von Rock- und Kunstmusik im Raum. Die Beatles hatten in ihrer unnachahmlichen Eleganz das Thema nur angerissen. Von nun an bemühten sich diverse Bands vergeblich um eine Weiterentwicklung dieser „unmöglichen” Synthese, während die Komponisten abgeschottet von der Popkultur an ihren meist irgendwie von Schönberg und nicht von Strawinsky ausgehenden Ideen arbeiteten. Es war zu früh für die Integration der Kunstmusiktradition in die populäre Musik; zu unterschiedlich waren Milieu und Geschmack der Protagonisten.

Heute dagegen durchqueren viele Musiker und Musikhörer mühelos Stile, Kontinente und Jahrhunderte. Man könnte also einen neuen Versuch wagen.

Der Ausgangspunkt für das „Konzert für Band und Orchester” waren die Stücke „Best Of Both Worlds” und „Im Ersten Licht” von dem 2001 erschienenen Album „Zweilicht” der Band Kante. Das musikalische Material dieser Stücke: langgestreckte Klarinettenmelodien, archaische Choralharmonik, eine afrikanisch anmutende Polyrhythmik, Jazzsoli, Gitarrenpickings. Texte und Melodien, die den Schwebezustand zwischen Tag und Nacht beschreiben.

Im „Konzert für Band und Orchester” werden diese Elemente neu ausgeleuchtet. Sprechrhythmus wird Melodie. Melodie wird Klang. Die Prinzipien von Variation und Entwicklung lassen die Musik von Kante rankenartig austreiben. An den Grenzen ihrer typischen Harmonik stehend, wird ein Blick in die unwegsamen Gegenden dahinter geworfen. Ein Dickicht entsteht, in dem man sich vielleicht verloren fühlen könnte, wäre es nicht beleuchtet vom vertrauten Schein Hamburger Großstadtlaternen.

Was in den Songs von Kante immer präsent ist, die Trauer um etwas Verschwundenes und die Unruhe angesichts des Unbekannten, wird so zur Grundlage einer Komposition, die versucht, beides skizzenhaft zusammenzuschreiben.
Fotos: Friedemann Simon
 

Presse

„Ein Abend, der Schule machen müsste im Jahr drei vor Elbphilharmonie.”                                                                  HAMBURGER ABENDBLATT

„Und nach der Pause der Höhepunkt: die Uraufführung des ,Konzerts für Band und Orchester', komponiert von Kante und Jan Dvorak, der an dem Abend auch dirigiert.”
                                                                              HAMBURGER MORGENPOST